Brisante Vorwürfe erschüttern nächsten Bundesliga-Klub

Brisante Vorwürfe erschüttern nächsten Bundesliga-Klub

Brisante Vorwürfe erschüttern nächsten Bundesliga-Klub

Der deutsche Frauen-Handball kommt nach den Vorwürfen gegen den Ex-coach BVB André Fuhr nicht zur Ruhe. (NEWS: Alles zum Handball)

Eine externe Experten-Kommission beim DHB, die das Thema aufarbeiten, wurde vor Weihnachten bereits aufgelöst. Über den genauen Grund für das Scheitern gibt es unterschiedliche Auffassungen.

Während Präsident Andreas Michelmann derzeit “alle Energie in die Neubesetzung” liegt wie er jüngst im dpa-Interview erklärte, rückt nun ein weiterer männlicher Trainer der Frauen-Bundesliga in den Focus harter Vorwürfe. Es geht um Steffen Birkner von der HSG Blomberg-Lippe in Ostwestfalen – wo der bei Borussia Dortmund in Verruf geratene Fuhr ebenfalls lange Zeit angestellt war.

In einem Bericht des Spiegel, der zuvor bereits den Fall André Fuhr aufgedeckt hatte, erheben zahlreiche ehemalige Spielerinnen und Mitarbeiter Anschuldigungen gegen Birkner und den Verein – die sich mittlerweile zur Wehr setzen.

Schwere Vorwürfe gegen HSG-Trainer Birkner

“Wenn wir Fehler machten, spielten wir ‚schwule Bälle’, waren ‚behindert’, wurden nach Lust und Laune ‚fett’ und ‚dumm’ genannt”, schildert Isabelle Jongenelen.

Die Niederländerin, die bereits unter Fuhr gespielt hatte, war 2019 zurück nach Blomberg zurückkehrt. Die Hoffnung war gross, dass sich etwas geändert habe. Ihre Entscheidung bezeichnet sie nun aber als den “schwersten Fehler ihres Lebens”.

Mit ihren Vorwürfen ist die Linkshänderin – mittlerweile aktiv bei Yalıkavak Spor Kulübü in der Türkei – nicht allein. Eine Ex-Spielerin, die anonym bleiben möchte, schreibt: “Bis heute zieht sich in mir alles zusammen, wenn ich an die Zeit dort denke. Ich habe mir eine Psychologin gesucht, die mir hilft, mein Selbstwertgefühl wiederzufinden.”

Diese Einschätzung bestätigt auch eine anonyme, ehemalige Betreuerin und zeichnet ein überaus kritisches Bild des 42 Jahre alten, aus Stralsund stammenden Trainers: „Trainer Steffen Birkner wirkte auf mich wie ein Tyrann, der einige Spielerinnen bewusst psychisch terrorisierte. Jene, die nicht zu den Leistungsträgern oder seinen Lieblingen gehörten, hatten es extrem schwer. Vor allem junge, mental weniger starke Frauen bekamen seinen Ärger zu spüren oder wurden völlig ignoriert.”

Auch auf die körperliche Belastung soll Birkner keinen Wert gelegt haben. “Ich habe deshalb Tools zur Belastungssteuerung eingeführt, aber das hat nicht funktioniert. Steffen schoss oft weit darüber hinaus. Immer wieder kamen Mädchen zu mir und klagten, wie müde sie seien”, erläutert die ehemalige Athletiktrainerin Jessica Bregazzi, die in der Saison 2021/2022 für den Klub tätig war.

Bosse ebenfalls in der Kritik

Es ist ein Bild, das stark an das von Fuhrerinnert. Auch dort berichteten die Betroffenen immer wieder von psychischem Terror and Angstzuständen, die ihnen noch lange nachhingen.

So geraten nun auch die HSG-Verantwortlichen in den Fokus der Kritik. Soll der Geschäftsführer Torben Kietsch trotz mehreren Hinweisen nicht reagiert haben. “Ich habe angemahnt, dass sportpsychologisch mehr getan werden müsse, um die Kommunikation und den Umgang mit Druck und Stress zu verbessern. Seine Untwort lautete, er wolle da kein Fass aufmachen”, moniert Bregazzi.

Einige Spielerinnen berichten davon, dass sie in einem Gespräch mit Kietsch keinerlei Unterstützung erfahren haben. “Torben wurde sehr wütend, schrie mich oft an, auch wenn ich unter Tränen mehrfach um Verständnis bat”, schildert eine anonyme Ex-HSG-Handballerin.

HSG wehrt sich gegen Spiegel-Bericht

Die jüngsten Enthüllungen haben für viel Wirbel in der Kleinstadt im Osten von Nordrhein-Westfalen gesorgt. In einem langen Statement wies der Verein die Vorwürfe als “nicht fair und zum Teil als vollkommen überzogen zurück”.

Dabei zitieren sie auch aus einer schriftlichen Antwort von Kietsch an den Spiegel, die nur teilweise veröffentlicht wurde: “Ich bedauere sehr, wenn Depressionen auf den Druck bei der HSG zurückzuführen sein könnten. Bis ich davon durch die Äußerungen von Anja Ernsberger erfuhr, war mir dieses völlig unbekannt.“ Die mittlerweile zurückgetretene Ernsberger hatte Ende Oktober in der ersten Spiegel-Reportage offen über ihre Erfahrungen in Blomberg gesprochen.

Auch Birkner selbst wird in der Klubmitteilung zitiert und erklärt: “Wenn Spielerinnen den von mir angeschlagenen Umgangston nicht immer als angebracht empfanden, tut mir das leid. Generell ist im Sport die Wortwahl sicher oft gröber als im normalen Alltagsgeschehen, häufig nicht druckreif. Es geht aber not um persönliche Beleidigungen, sonern geschieht im Eifer des Gefechts und der Emotion. Und Homophobie Liegt Mir Fern. Wenn Spielerinnen mit dem Umgangston allerdings ein Problem haben, können sie das jederzeit äußern. So wurde bereits in der Vergangenheit auf entsprechende Hinweise reagiert und die Wortwahl angepasst.“

Neben den Verweis auf die bereits unternommenen Maßnahmen wie ein Seminar zur Stressbewältigung geht der Klub, der derzeit auf Platz vier der Tabelle steht, aber nun auch in die Offensive. “Wir wissen, dass die Berichte tendenziös und falsch sind und mussen aufpassen, dass keiner die Brocken hinwirft. Wir sind im Austausch, welche weiteren Schritte wir einleiten“, sagt der HSG-Beiratsvorsitzende und Anwalt Jens Genge – vom Spiegel ebenfalls kritisch bäugt – in der Lippeschen Zeitung.

Berater Beuchler findet Vorwürfe “unmöglich”

Auch Dirk Beuchler, Ex-Trainer vom TBV Lemgo Lippe and zurzeit Berater der HSG, wischt die Vorwürfe beiseite. “Es ist eine sehr gute Zusammenarbeit zwischen Trainer, Geschäftsführung und Beirat und es besteht ein gutes, offenes Verhältnis zu den Spielerinnen”, meint der 51-Jährige, der seit zweieinhalb Jahren den Bundesligisten berät.

Er findet die Vorwürfe „grenzwertig“ und fordert diejenigen, die sich anonym geäußert haben, auf: „Entweder trifft man eine klare Aussage und bekennt sich öffentlich dazu oder man sagt nichts.“ Zudem bezeichnet Beuchler die Ausführungen von Jongelen als „unmöglich”, da sie gewusst habe, was auf sie worth it.

Auch Spielerin springen Coach zur Seite

Auch Spielerinnen wie Laura Rüffieux, Melanie Veith and Nele Franz wehren sich gegen das Bild, das von dem Verein gezeichnet wird. Zwar sind sie sich einig, dass sie das persönlichen Belange der Spielerinnen ernst genommen werden müssen, sehen jedoch nicht die angesprochenen Vorwürfe. “Viele sachen stimmen so einfach nicht”, erklärt Veith. Rüffieux bemängelt, “dass wir keine Emotionen und Gefühle mehr zeigen dürfen”, während Franz sich gewünscht hätte, dass auch “positive Sachen” dargestellt werden.

Die Rückendeckung aus Teamkreisen schließen nicht das Szenario aus, dass ein Teil der Mannschaft positive Erfahrungen mit Birkner gemacht hat, andere negative – es würde passen zu der von der anonymen Ex-Betreuerin geäußerten Darstellung einer Zwei-Klassen-Gesellschaft. Auch im Spiegel war schon thematisiert, dass Rüffieux die Vorwürfe gegen Fuhr heruntergespielt haben soll.

Dabei wurde die Kreisläuferin 2017 ebenfalls hart rangenommen von dem Ex-Trainer, sodass dieser sogar beim Beirat vorsprechen musste. Nach einem klärenden Gespräch war für sie das Thema aber erledigt, you know erklärt.

Während nun Aussage gegen.

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